Projekt Erwin Biber

Hochverehrtes Publikum, Liebe Leut!

Hier will ich gerne meine Nachforschungen über den legendären Rennfahrer Biberle der anscheinend aus Erolzheim bei Biberach entstammen soll veröffentlichen...

 

Den Abzählreim aus Kindertagen kennen ja immernoch sehr viele:

 

 

"Rennfahrer Biberle hôt em Arsch a Zwiebele - kriegt en nemme naus und du bisch raus!"

 

...oder in diversen Abwandlungen...

 

"Rennfahrer Bibele hat em Arsch a Zwiebele, furzt’s wieder raus un du bisch draus"

 

"Rennfahrer Biberle scheißt en a Kiebele - putzts wieder aus und du bisch raus."

 

etc.etc.etc.

 

Da wollte ich mal nachforschen wer hinter diesem Biberle steckt...

 

Aber alle meine telefonischen Anfragen bei Stadt- und Kreisarchiven in Biberacher Umgebung brachten trotz freundlicher Hilfe der dortigen Mitarbeiter leider keine Ergebnisse. Ist die Legende um den Rennfahrer Biberle nur eine Erfindung? Ein Hoax, wie man heute dazu sagt?

 

Als Hoax (engl. für Jux, Scherz, Schabernack; auch Schwindel) wird heute meist eine Falschmeldung bezeichnet, die in Büchern, Zeitschriften oder Zeitungen, per E-Mail, Instant Messenger oder auf anderen Wegen (z. B. SMS, MMS oder soziale Netzwerke) verbreitet, von vielen für wahr gehalten und daher an Freunde, Kollegen, Verwandte und andere Personen weitergeleitet wird. Wikipedia

 

 

Hier ein kurzer Dank an  Herrn Engelhard vom Stadtarchiv Memmingen, der mir am 13.12.2012 auf meine Anfrage folgendes schrieb:

 

 

Sehr geehrter Herr Plankenhorn,
leider ergab eine Recherche in der Memminger Zeitung der Jahre 1925 bis 1928 (jeweils vor und nach Aschermittwoch) keine Hinweise auf Vorankündigungen, Anzeigen oder Berichte über Radrennveranstaltungen bzw. den Rennfahrer Erwin Biber von Erolzheim. Das muss aber gar nicht verwundern, wenn man sieht, wie wenig und wie sporadisch damals über Sportereignisse berichtet wurde. An der Grenzziehung zwischen Bayern und Württemberg kanns nicht liegen, da hier in Memmingen regelmäßig, ja eigentlich täglich Nachrichten aus Württemberg abgedruckt wurden.
Mit freundlichen Grüßen

Christoph Engelhard
Stadtarchiv Memmingen

 

Bildertanz Zuhause sind wir weltberühmt
BILDERTANZ

Bis zum heutigen Tag bin ich also leider nur über den Betzinger Blog BILDERTANZ auf Informationen über Erwin Biber gestoßen. Nachdem dort am 22.Juli 2010 die Frage aufkam, "Wer war eigentlich der Rennfahrer Biberle?", meldete sich darauf jemand, der über Erwin Biber und seine Lebensgeschichte recht detailliert bescheid wissen muss. Leider war auf meine Nachfrage der Emailkontakt nicht mehr auffindbar - trotzdem herzlichen Dank an Werner Früh, den Photograph und Sammler verschwundener historischer Raritäten aus Betzingen und Umgebung.  Allein das wunderbare Foto "Rennfahrer in der Seifenkiste" von Erwin Digel aus den 1950er Jahren ist einen Besuch der Seite wert...

 

Hier möchte ich gerne die Antwort auf die Frage "Wer war Rennfahrer Biberle?" zitieren:

 

Erwin Biber (*16.2.1905 in Erolzheim, Kreis Biberach, Spitzname "Rennfahrer Biberle") war der älteste Sohn des Landwirts Erwin Biber aus Erolzheim. Da der kleine Erwin (daher der Spitzname "Biberle") besonders begabt war, wurde er mit 10 Jahren in die Schule des Klosters Ochsenhausen versetzt. Da es damals keine Verkehrsverbindungen gab und der Vater das Internat nicht bezahlen konnte, wurde für Erwin "Biberle" ein Fahrrad gekauft, mit dem er täglich die 15 Kilometer in die Schule fuhr. Schon bald war "Biberle" in der Lage, die Strecke immer schneller zurückzulegen und wegen dieses Talents durfte er 1924 erstmals beim Radrennen "Rund um das Ärazoimer Schloss (Slang für "Erolzheimer Schloss") teilnehmen, obwohl er das Mindestalter von 20 Jahren noch nicht erreicht hatte. Dieses Rennen fand jedes Jahr am Aschermittwoch statt und ging von Biberach über Erolzheim nach Memmingen. In diesem Jahr 1924 lag "Biberle" in Führung, als es auf das Erolzheimer Schloss zuging. Was "Biberle" nicht bedachte, war, dass dieses Schloss drei Mal zu Fuss umrundet werden musste (ähnlich einem Querfeldeinrennen) und "Biberle" nicht besonders gut zu Fuß war. Er stürzte über eine Wurzel und verstauchte sich den Knöchel so schwer, dass er nicht mehr weitermachen konnte. Es siegte sein Freund und Rivale Andreas Schneider, ein gelernter Schmied und Elektriker ebenfalls aus Erolzheim. 1925 war es dann anders: Biberle gewann mit riesigem Vorsprung das Rennen und wiederholte diesen Erfolg noch 3 Mal bis 1928. Wegen seines rasanten Fahrstils wurde aus Erwin Biber im Volksmund der "Rennfahrer Biberle". 1929 passierte dann die Tragödie: "Biberle" erlitt einen Rahmenbruch, stürzte schwer und brach sich das Bein. Von diesem Sturz erholte er sich nie mehr und bestritt auch kein Radrennen mehr. 1944, in den letzten Kriegsmonaten, wurde "Biberle" noch zum Heimatschutz eingezogen und fiel bei einem Luftangriff am 2. Februar 1944. Er wurde auf dem Friedhof in Erolzheim beerdigt. Das Grab existiert allerdings nicht mehr. Wegen seines 4-fachen-Sieges in Folge und seines rasenden Fahrstils, entstand der Spruch und die Legende vom "Rennfahrer Biberle", die Grundlage für zahlreiche Kinderreime und Geschichten aus dem Oberschwäbischen Volksmund wurde.

 

Betzinger Portfolio Foto Erwin Digel
Read more: http://betzingen.blogspot.com/2010/07/rennfahrer-bieberle.html#ixzz2q5VURSt4

 

 

Entspricht das der Wahrheit oder ists nur gut ausgedacht?! Die Nachforschung geht weiter...

 

Am 07.05.2006 bereits ist im Blog "KunstdesHandelns" die Frage nach Biberle aufgekommen... und wurde 2009 im Blog ELCHZONE nochmals zitiert...

 

Dem Sherlock Holmes in mir fällt sofort dieser Kommentar auf:

Also was den Rennfahrer Biberle betrifft ist er im Geburtenregister des Jahres 1905 in Erolzheim nicht zu finden - sagt zumindest die Gemeindeverwaltung

 

So erging es mir ebenso, bei der Nachfrage in diversen Archiven...  

 

Ist hier etwas faul??! ;-)

 

Nun ja, in der deutschsprachigen Enzyklopädie Wikipedia steht Biberle zwar in der Rubrik "Persönlichkeiten - Töchter und Söhne der Gemeinde Erolzheim" aber einen Artikel hat (mangels Quellen) noch keiner über ihn schreiben können... - daher geht nun meine Bitte an Dich lieber Leser: Wer hat Informationen über die genannte Person?  Über sachdienliche Hinweise (so lautet doch der Fachbegriff aus Aktenzeichen XY ungelöst...) "dät i mi so saumässig freia"  dass ein Finderlohn natürlich Ehrensache ist.

Vielleicht besitzt jemand sogar Bilddokumente über Erwin Biber aus den Jahren 1905-44. 

 

Die Entstehung eines geflügelten Wortes, das noch bis in die heutigen Tage für viele geläufig ist - eine ganz spannende Sache. 

Über Nachrichten und Hinweise in meinem Gästebuch danke ich schon jetzt...